Rein theoretisch: Framing

Das Framing ist eine der jüngeren Ansätze der Kommunikationsforschung. In den letzten zwei Jahrzehnten hat es an Popularität gewonnen und gilt momentan als zentraler Forschungsbereich der Kommunikationsforschung (Matthes 2014: 12). Robert Entman, der als Pionier des Framing gehandelt wird, definiert dies in seinem Aufsatz von 1993 (52) wie folgt:„To frame is to select some aspects of a perceived reality and make them more salient in a communicating text, in such a way as to promote a particular problem definition, casual interpretation, moral evaluation, and/ or treatment recommendation for the item described.” Diese Definition wurde über die letzten 20 Jahre weiter verfolgt und entwickelt. Jörg Matthes (2014: 10f) definiert Framing als „sich [beziehend] auf den aktiven Prozess des selektiven Hervorhebens von Informationen und Positionen. Frames [werden] dabei als das Ergebnis dieses Prozesses [verstanden]“. Die zwei zentralen Funktionen von Frames werden nach Urs Dahinden (2006: 14) als die „Selektion von wahrgenommenen Realitätsperspektiven“ und die „Strukturierung von Kommunikationstexten über diese Realität“ festgelegt. Schließlich wurde von Reese eine Definition verfasst, die alle grundsätzlichen Aspekte beinhalten soll: „Frames are organizing principals that are socially shared and persistent over time, that work symbolically to meaningfully structure the social world” (zit. nach Bonfadelli 2002: 147). Hier zeigt sich, dass der Framing-Ansatz auf eine längerfristige Erstellung eines Wahrnehmungsmusters abzielt (Dahinden 2006: 84). Reese (2001) bezeichnet Framing des Weiteren als „bridging model“, da mit dem Ansatz unter anderem Verbindungen zwischen verschiedenen Stufen des Kommunikationsprozesses gezogen werden können. Frames befassen sich letztendlich ähnlich wie die Agenda-Setting Theorie mit einer konstruierten Realität, bei der hierbei jedoch die strukturierte Präsentation der Realität im Vordergrund steht (Dahinden 2006: 84).

Es gibt unterschiedliche Arten von Frames, unter anderem Werte- Frames, Frames des Konfliktes und des Human Interests (Schenk 2007: 315f). Die wohl wichtigste in der Kommunikationsforschung ist die der Medien-Frames, da besonders Journalistinnen bei der Selektion von Nachrichten auf Frames zurückgreifen. Um Frames dort erkennen zu können, muss zunächst auf die bereits von Entman erwähnten vier Aspekte des Framing eingegangen werden. Jörg Matthes hat diese in seinen Publikationen genauer unterschieden. Zunächst erläutert er die Problemdefintion (problem definition) als Definition des thematischen Teilbereiches, der Akteure und der Betonung der relevanten Informationen. Dabei unterstreicht Matthes, dass keinesfalls eine negativ konnotierte Bezeichnung des Problem- Begriffs nahegelegt werden muss. Das „Thema wird [lediglich] in seinen sozialen, sachlichen und zeitlichen Kontext eingeordnet.“ Der zweite Aspekt ist die Ursachenzuschreibung (casual interpretation), bei der die Verantwortung einer Akteurin zugeschoben wird. Danach folgt die Lösungszuschreibung und die Handlungsaufforderung (treatment recommendation). Darunter fallen „die geforderten und zu unterlassenden Maßnahmen zur Behebung des Problems sowie die für die Lösung des Problems fähigen Akteure“. Der letzte Aspekt ist die explizite Bewertung (moral evaluation), die sich entweder „auf die moralische oder auf die evaluative Einordnung eines Problems“ bezieht. Dabei ist die Bewertung eher graduell und es stellt sich nicht die Frage ob, sondern wie stark ein Thema bewertet wird (Matthes 2014: 11f). Diese Elemente stehen in einem konsistenten Verhältnis zu einander, das bedeutet, dass „Akteure die Frames immer so gestalten, dass sie ein kohärentes Ganzes ergeben“ (ebd. 2007: 137). Matthes fasst zusammen, dass „Frames […] (strategisch gefärbte) Blickwinkel auf politische Themen [sind], die gewisse Informationen in den Vordergrund rücken und andere außen vor lassen“ (ebd. 2014: 12).

Die Vorgehensweise beim Framing ist nicht starr, sondern weist eine Flexibilität gegenüber den „kulturellen und zeitlichen Randbedingungen des jeweiligen Untersuchungsstandes“ auf (Dahinden 2006: 18). Die Fülle an Definitionsmöglichkeiten und die Anwendungsgebiete des Framing-Ansatzes können ebenfalls als Kritikpunkt gesehen werden. Dahinden erläutert die Schwächen des Framing-Ansatzes als mangelnde Integration durch die multidisziplinäre Verwendung, unpräzise Terminologie und die Fülle an Literatur, die unter dem Schlagwort Framing publiziert wurde (ebd.: 21). Die Kritik lässt sich vor allem in der bereits unüberschaubaren Menge von unterschiedlichen Medien-Frames begründen. Daher wählen Journalistinnen bestimmte Ereignisse unter anderem basierend auf der Übereinstimmung mit bereits bestehenden Frames aus. Denn würde für jedes neue Thema ein neuer Frame erstellt werden, würde der grundlegende Sinn der Medien-Frames verloren gehen. Nach Matthes können jedoch zwei grundsätzliche Arten von Frames definiert werden, die formal-stilistischen Frames und die inhaltsbezogenen Frames (2007: 57).

Kurz erklärt stellen formal-stilistische Frames in Bezug auf Berichterstattung die Struktur der Medienbotschaft in den Vordergrund. Bei inhaltsbezogenen Frames hingegen werden verschiedene inhaltliche Aspekte in den Fokus gerückt. Dabei kann man zwischen themenspezifischen (nur auf ein Thema zutreffend) und themenübergreifenden (auf mehrere Themen anwendbaren) Frames unterscheiden (ebd.: 58).

Journalistinnen nutzen den Framing- Ansatz als roten Faden für die Berichterstattung. Daher kann gesagt werden, dass Frames als Bewältigungsstrategien verstanden werden können, „um mit der Flut von Informationen [in der Berichterstattung] zu Recht zu kommen“ (Tuchman zit. nach Matthes 2007: 49).

Celina Stammerjohann

 

Literatur 

Bonfadelli, Heinz (2002). Medieninhaltsforschung. Grundlagen, Methoden, Anwendungen. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.
Dahinden, Urs (2006). Framing. Eine integrative Theorie der Massenkommunikation. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.
Entman, Robert (1993). “Framing: toward clarification of a fractured paradigm”. Journal of Communication 43.4. S. 51–58.
Matthes, Jörg (2007). Framing-Effekte. Zum Einfluss der Politikberichterstattung auf die Einstellungen der Rezipienten. München: Verlag Reinhard Fischer.
Matthes, Jörg (2014). Framing. Baden-Baden: Nomos.
Reese, Stephen D. (2001). “Prologue – Framing public life”. Framing Public Life: Perspectives on Media and our Understanding of the Social World. S. Reese, O. Gandy, A. Grant (Hrsg.), Mahwah, N.J.: Lawrence Erlbaum. S. 7-31.
Schenk, Michael (2007). Medienwirkungsforschung. Tübingen: Mohr Siebeck.

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