Rausgepickt und Überblickt: Die Zukunft der vernetzten Welt

Der Artikel Die Zukunft der vernetzten Welt von Mirela-Codruta Abrudan ist 2015 in der Fachzeitschrift Journal of Media Research (Vol. 8 (1) 115-123) erschienen. Die Kommunikationswissenschaftlerin behandelt darin die mit dem Aufstieg von Social Media einhergehende Veränderung von Kommunikation und stellt Thesen zu einer möglichen Zukunft der mediatisierten Welt im Wandel auf. Was geschieht mit dem Journalismus? Wer sagt uns, welche Informationen relevant sind und welche nicht? Dies sind nur einige von vielen Fragen, die sie in ihrem Artikel behandelt.

Abrudan geht davon aus, dass neue Technologien die Demokratisierung der Gesellschaft und den Aufbau einer globalen öffentlichen Meinung ermöglichen und hinterfragt den Umgang der Menschen mit dem steigenden Medienkonsum. Nach einer Zusammenfassung des Artikels und den darin erörterten Veränderungen für die Zukunft einer vernetzten Welt, werde ich näher auf die Bedeutung von Öffentlichkeit eingehen. Damit schaffe ich eine Parallele zu der Bachelorarbeit von Laura Parraga Gonzalez.

Mirela-Codruta Abrudan stellt heraus, dass die sozialen Medien auf globaler Ebene alle Bereiche der Gesellschaft beeinflussen können. Vor allem das Internet gewinnt in der heutigen Zeit zunehmend an Bedeutung und stellt die Medienbranche vor neue Herausforderungen in dem Konflikt Print versus Online. Besonders die Zeitung ist von dem Wandel der Medienbranche betroffen, denn für sie wird es immer schwieriger, sich als klassisches Kommunikationsmittel gegen die neuen digitalen Medien durchzusetzen. Die Änderung der Medienlandschaft und der Konsumgewohnheiten der Mediennutzerinnen haben nicht nur zu einem Wandel von Öffentlichkeit geführt. Auch das Rollenbild der typischen Journalistin hat sich verändert. Wo Journalistinnen früher als Meinungsführerinnen galten und über die Tagesordnung in der Gesellschaft mitbestimmt haben (Agenda Setting, Framing, Priming), entscheidet heute jeder Einzelne selbst, wann, wo, wie und worüber er sich informieren möchte. Der Gesellschaft wird damit mehr Freiraum im Entscheidungsprozess geboten, während es für Journalistinnen immer schwieriger wird, ihre Meinung in der Öffentlichkeit zu artikulieren. Abrudan erklärt in ihrem Artikel aber auch, dass neue Technologien nicht nur negative Folgen mit sich bringen, sondern auch die Verwirklichung der Globalisierungsprozesse der Gesellschaft ermöglichen. Journalistinnen haben auch in der heutigen globalen Gesellschaft die Chance, Karriere zu machen. Sie müssen sich zunehmend an digitalen Inhalten, die mobil im Social Web aufgegriffen werden können, orientieren. Inhalte müssen an neue Medien angepasst werden, so wie Journalistinnen die Gelegenheit nutzen müssen, sich auf Blogs, Nachrichtenportalen und sozialen Online-Netzwerken zu etablieren. Dies bietet ihnen die Möglichkeit, einen intimen Kontakt zu ihren Leserinnen aufzubauen.

Der Artikel stellt vor allem die steigende Personalisierung der Kommunikation heraus, die mit einem höheren Grad an Spezifität und Diversität sozialer Plattformen zusammenhängt. Zudem wird die Rolle der früher typischen Journalistin auf jeden Einzelnen in der Gesellschaft übertragen:

„Nutzer beschränken sich heute nicht mehr auf Informationskonsum, ein jeder kann Inhalte generieren, öffentliche Debatten auslösen […] und dementsprechend Einfluss auf die Gesellschaft ausüben“ (S.117).

Die Autorin fasst mit diesem Satz zusammen, dass Medien auch langfristig immer mehr in das Alltagsleben der Menschen integriert sein werden.

„In 25 Jahren werden personalisierte Inhalte und Erlebnisse zum Alltag gehören; ein jeder wird selbst über Inhalt, Zeitpunkt und Informationsquellen entscheiden […]“ (S.117).

Als mögliche Gefahr der intensiven Mediennutzung führt Abrudan den Aspekt einer Cyberspace-süchtigen Generation an, die auch als „digitally natives“, „interactives“ oder „tech savy“ (S.120) bezeichnet werden. In dieser Generation hat die Evolution der Technologie einen radikalen Einfluss auf die Kommunikation und den Lebensstil der Menschen. Zu hinterfragen bleibt meiner Meinung nach aber, ob die neuen Technologien fördernd für einen vernünftigen Umgang mit den Medien sind oder ob sie im Gegenteil einen schlechten und zu radikalen Einfluss auf die Menschen haben.

Ähnlich wie Mirela-Codruta Abrudan in der Fachzeitschrift Journal of Media Research betont auch Laura Parraga Gonzalez in ihrer Bachelorarbeit Deterritorialisierung, Reterritorialisierung und die Bedeutung von Orten die Veränderung von Öffentlichkeit. Anders als Abrudan verfolgt sie einen ethnologischen Ansatz und geht auf die Bedeutung von konkreten Orten in einer globalisierten Welt ein, die von Begriffen wie Entwurzelung und Heimatlosigkeit geprägt ist. Sie führt das veränderte Verständnis von Nah und Fern auf die neuen Kommunikationstechnologien zurück, die eine Verlagerung der Interaktion der Menschen in weit entfernte Orte ermöglichen und damit neue Möglichkeiten der Verräumlichung und Lokalisierung bieten. Dieser Aspekt stellt eine Parallele zu dem zuvor behandelten Artikel dar. Mediennutzerinnen können durch die Auflösung von räumlichen Grenzen eigenständig entscheiden, wann, wo und wie sie welches Medium konsumieren. Orte bekommen dadurch eine neue und erweiterte Bedeutung, indem ihre Verbindung zu anderen Orten immer wichtiger wird. Sie sind durch die Nutzung von neuen Kommunikationstechnologien mobil geworden. Letztlich stellen beide Autorinnen heraus, dass Kommunikationstechnologien in dem heutigen digitalen Wandel der Welt eine wichtige Rolle in Bezug auf die Kommunikation der Zukunft spielen. Wie die Menschen aber wirklich in 25 Jahren mit den neuen Kommunikationstechnologien umgehen, bleibt abzuwarten.

Vanessa Menn

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