From Oktober, 2015

Rein theoretisch: Kultivierungshypothese

Im Kontext der Medienwirkungsforschung stößt man neben Begriffen wie Agenda Setting und Schweigespirale auch immer wieder auf die sogenannte Kultivierungshypothese, welche seit den 80er Jahren ebenfalls zu den meistbeachteten theoretischen Ansätzen der Medienwirkungsforschung gehört (vgl. Lücke 2007: 39). Diese seit Ende der 1960er Jahre vom amerikanischen Kommunikationswissenschaftler George S. Gerbner entwickelte Theorie besagt, dass häufiger Medienkonsum dazu führe, dass Konsumenten die reale Welt eher so wie die medial dargestellte Welt wahrnehmen (vgl. Kroeber-Riel 2013: 667). Dabei kommt der Theorie zufolge dem damals noch jungen, aber sehr erfolgreichen Medium Fernsehen neben der Familie und dem Freundeskreis die Rolle des Sozialisationsagenten unseres…

Rein theoretisch: Nachrichtenwerttheorie

Jeder, der sich innerhalb seines Studiums einmal mit Nachrichten beschäftigt hat oder selbst als Journalist tätig geworden ist, wird sicherlich auf den Begriff der Nachrichtenwerttheorie oder des Nachrichtenwertes gestoßen sein. Grundannahme der Theorie beruht auf der Selektion der Information durch Journalisten und Redaktionen, um sie auf den Veröffentlichungsrahmen des jeweiligen Mediums zuzuschneiden. 1922 beschrieb Walter Lippmann, Begründer der Theorie, in seinem Werk „The nature of News“ dieses Problem wie folgt: Egal wie lange alle Journalisten der Welt arbeiten würden, sie könnten nie alle Geschehnisse auf der Welt in ihrer gesamten Masse bezeugen und als Nachrichten an die Öffentlichkeit tragen (vgl.…

Formen und Funktionen unzuverlässigen Erzählens in der Sitcom How I Met Your Mother

Unzuverlässiges Erzählen – 1961 von Wayne C. Booth als Begriff in die Erzähltheorie eingeführt – ist spätestens seit den 1990er Jahren auch im Kino ein gängiges Stilmittel. In jüngster Zeit hat das Phänomen auch im ursprünglich eher konventionell erzählenden Format der Fernsehserie Einzug gehalten. Während zu unzuverlässigem Erzählen im Film bereits ausführliche Untersuchungen vorliegen, hat erzählerische Unzuverlässigkeit in Fernsehserien – und speziell in Sitcoms – bisher vergleichsweise wenig Beachtung gefunden. Die von 2005 bis 2014 für den US-amerikanischen Fernsehsender CBS produzierte Sitcom How I Met Your Mother kann als prototypisches Beispiel für unzuverlässiges Erzählen in Fernsehserien gelten. Ted Mosby, der…

„Framing Europe“ aus Gewinner- und Verliererperspektive

Eine Untersuchung zur Berichterstattung aus Deutschland und Spanien zu den Europawahlen AFD, UKIP, Front national – die Stimmen der EU-Skeptiker werden seit Ausbruch der Eurokrise 2009 allerorts in Europa lauter. Doch nicht alle europäischen Staaten leiden wirtschaftlich in gleichem Maße unter den Auswirkungen. In Medienberichten wurde vor den letzten Europawahlen von „Gewinner“- und „Verliererländern“ der Eurokrise gesprochen. In dieser Arbeit habe ich mich mit den Unterschieden in der Medienberichterstattung eines „Gewinnerlandes“ und eines „Verliererlandes“ der Krise auseinandergesetzt; und der Frage, ob die „Verliererländer“ wegen der Wirtschaftssanktionen der EU womöglich kritischer über diese berichten. Um dieser Fragestellung auf den Grund zu…

Wo Unsichtbares sichtbar wird und die Ursache unsichtbar bleibt

Jean-Luc Godards Le Mépris als Versuch einer Reflexion auf das Kino Die Tatsache, dass der Zuschauer im Kinosaal dem immersiven Potenzial medialer Bilder unterworfen ist, lässt uns vergessen, dass auch die auf der Leinwand abgebildete Geschichte erst erzählt und gesehen werden kann, wenn ihr der Blick einer technischen Apparatur vorausgeht. Jean-Luc Godard lotet in seinem Film Le Mépris die Grenzen der filmischen Darstellung aus, indem er die bildgenerierende Existenz der Kamera nicht verschweigt, sondern ins filmische Bild einschreibt. Bereits im Prolog gibt er den Blick auf die Kameralinse frei und offenbart den Ursprung des filmischen Bildes, dessen Abwesenheit eigentlich Garant sein…

Mediale Selbstreferentialität am Beispiel von Woody Allens The purple rose of Cairo

  Ausgefeilte Regelverstöße gegen die gängigen Konventionen des klassischen Hollywood- Kinos sowie das Spiel mit dem Verschwimmen von Fiktion und Realität, von Künstlichkeit und Authentizität sind charakteristisch für die Filme des Regisseurs Woody Allen. So setzt er sich in seinen Werken immer wieder auf eine reflexive und selbstreferentielle Weise mit den medialen Modalitäten des Films, der Filmproduktion und der damit verbundenen Welt Hollywoods auseinander. Er legt dadurch Strukturen dieser Welt offen, die bei der gängigen Filmrezeption normalerweise verborgen bleiben. Auch in seinem 1985 erschienen Film The Purple Rose of Cairo ist die Beschäftigung mit dem Medium Film ein wesentliches Gestaltungselement.…