Mediale Selbstreferentialität am Beispiel von Woody Allens The purple rose of Cairo

 

Ausgefeilte Regelverstöße gegen die gängigen Konventionen des klassischen Hollywood- Kinos sowie das Spiel mit dem Verschwimmen von Fiktion und Realität, von Künstlichkeit und Authentizität sind charakteristisch für die Filme des Regisseurs Woody Allen. So setzt er sich in seinen Werken immer wieder auf eine reflexive und selbstreferentielle Weise mit den medialen Modalitäten des Films, der Filmproduktion und der damit verbundenen Welt Hollywoods auseinander. Er legt dadurch Strukturen dieser Welt offen, die bei der gängigen Filmrezeption normalerweise verborgen bleiben. Auch in seinem 1985 erschienen Film The Purple Rose of Cairo ist die Beschäftigung mit dem Medium Film ein wesentliches Gestaltungselement. So lassen sich in dem Film auf verschiedenen Ebenen zahlreiche selbstreferentielle Bezüge wiederfinden, die unterschiedliche Funktionen erfüllen. Diese werden auf inhaltlicher, sprachlicher und formaler Ebene betrachtet. In diesem Zusammenhang werden u. a. die theoretischen Konstrukte der ontologischen Metalepse und der Mise en abyme mit der Struktur des Films in Bezug gesetzt. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass mediale Selbstreferentialität in Woody Allens The Purple Rose of Cairo als zentrales Leitmotiv angesehen werden kann, das sich auf verschiedenen Ebenen durch den gesamten Film zieht und durchgehend sehr präsent ist.

So hat die Verwendung medialer Selbstreferentialität in dem Film zum einen die Funktion, das Genre der Liebeskomödie zu parodieren. Allen nimmt in seinem Film im Sinne der filmischen Parodie immer wieder Bezug auf bekannte Konventionen und gibt diesen durch Überformung und Überspitzung einen neuen Anstrich. Dies tut er in einem ausgefeilten Zusammenspiel aus inhaltlicher, formaler und sprachlicher Selbstreferenz und karikiert damit das Genre der Liebeskomödie an sich, die Welt der Filmproduktion, das Starsystem Hollywoods, die Profitgier der Produktionsfirmen und den Drang des Publikums, sich unreflektiert der schönen Illusion der Hollywood-Filme hinzugeben, um der tristen Realität zu entfliehen. Das permanente Voraugenführen der Filmrezeption, die in The Purple Rose of Cairo vor allem als eine Art Realitätsflucht und das damit verbundene Finden von Trost und Befriedigung dargestellt wird, lässt den Zuschauer seine eigene Stellung als Rezipient kritisch reflektieren und infrage stellen.

Julia Weber


Julia studiert Medienwissenschaft (Master) . Ihre Hausarbeit hat sie im 3. Semester im Seminar „Mediale Selbstreferentialität: Hörspiel, Film“ bei Dr. Heinz Hiebler geschrieben.

Heute sagt Julia zu ihrer Hausarbeit:

„Im Zuge des Seminars und beim Verfassen der Hausarbeit habe ich mit der medialen Selbstreferentialität ein spannendes Forschungsfeld kennengelernt, das meinen Blickwinkel auf medienwissenschaftliche Diskurse und auf mein weiteres Studium nachhaltig geprägt hat.“

Liebe Julia, viel Erfolg weiterhin und bleib StuZig!

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