Gender in The Walking Dead

Eine medienwissenschaftliche Analyse der Serie The Walking Dead aus einer feministischen Perspektive auf stereotype Darstellung von Männern und Frauen

Fernsehen ist das weltweit am meisten verbreitete Massenmedium und ein wichtiger Teil unserer Alltagskultur. Zurückgehend auf Judith Buttler ist kein Teil der Identität angeboren, sondern entwickelt sich durch soziale Einflüsse. Ehemals

patriarchalisch Gesellschaftsstrukturen sind heute zwar aufgeweicht, die Arbeits- und Funktionsteilung in den Lebenswelten von Männern und Frauen sind jedoch oft getrennt. Frauen werden vor allem private Belange zugeschrieben, wie die Versorgung und Pflege der Angehörigen. Dagegen ist Gewalt historisch betrachtet eine männliche Eigenschaft und ein Privileg des Mannes. Gewalt stellt Ordnung auf allen Ebenen der Gesellschaft her, manifestiert sie und war schon immer zentrales Element der Machtausübung.

In meiner Hausarbeit zeige ich auf, wie The Walking Dead als Serie im Horror-Genre zwar auf den ersten Blick emanzipiert erscheint, sich in der Darstellung der Charaktere und der Situationen dennoch deutlich traditionelle Rollenbilder von Geschlecht durchsetzen. Im Horror-Genre sind Helden und Täter in der Regel männlich, Opfer sind weiblich. Die Rollen können zwar in der Erzählung auch punktuell vertauscht sein, werden aber durch die Übernahme des männlichen Helden- Verhaltens oder des weiblichen Opfer-Verhaltens der Darstellerinnen begleitet. Typisch dafür ist das von Carol Clover so genannte Final Girl. Es übernimmt kurzfristig männliche Eigenschaften, um die Handlung als vorübergehende Heldin voran zu bringen oder eben als Final Girl abzuschließen. In meiner Analyse zeige ich, dass die Serie The Walking Dead teilweise mit dieser Tradition bricht, keinesfalls aber von einer absolut gleichberechtigten Darstellung von Männern und Frauen gesprochen werden kann. Es wurde deutlich, dass traditionelle Wertesysteme offen und verdeckt dargestellt werden. Vor allem in der Ausübung und dem Umgang mit Gewalt sowie bei der Darstellung des Alltags ist ein großer Unterschied in der Rollenverteilung erkennbar. Frauen übernehmen im Serien-Alltag vor allem typische Frauenarbeiten wie Kochen, Waschen und das Versorgen der Kinder. Die Männer sind in erster Linie für das Bewachen und Schützen der Gemeinschaft zuständig. In den dargestellten Gewaltszenen wird deutlich, dass der Gewalt von Männern und Frauen unterschiedlich starke Akzeptanz entgegengebracht wird. In The Walking Dead ist das Aushandeln von Macht innerhalb der Gruppen ein zentrales Element der Erzählung. Die Kategorie Gender ist bei den Konflikten der Machtaushandlung eines der ordnenden Merkmale. Die Gewaltdarstellung in The Walking Dead bricht zwar auf den ersten Blick mit dem klassischen Gender-Schema des Horror-Genres, da auch Frauen in die Heldenrolle schlüpfen. Die Handlung erhält den Mythos der männlichen Heldenfigur aber durch die Legitimierung der weiblichen Gewalt durch traditionell weibliche Motive.

Daniela Friedrich


Daniela studiert Medien- und Kommunikationswissenschaften im Hauptfach mit dem Nebenfach Soziologie. Ihre Hausarbeit hat sie im 5. Semester im Seminar „Mediengeschichte und Mediengegenwart“ bei Tobias Steiner geschrieben.

Heute sagt Daniela zu ihrer Hausarbeit:

„Die offene und verdeckte Darstellung von stereotypen Rollenbildern von Männern und Frauen in Massenmedien ist ein wichtiges Forschungsfeld der Medienwissenschaft. Scheinbar emanzipierte Formate wie The Walking Dead entpuppen sich in Analysen oft als subtile Übermittler von traditionellen Rollenbildern. Ich war überrascht und zugleich fasziniert, wie viele Stereotype ich beim genauen Hinsehen in meiner Analyse entdecken konnte. Seitdem schaue ich Serien und Filme noch viel kritischer.“

Liebe Daniela, viel Erfolg weiterhin und bleib StuZig!

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