„Framing Europe“ aus Gewinner- und Verliererperspektive

Eine Untersuchung zur Berichterstattung aus Deutschland und Spanien zu den Europawahlen

AFD, UKIP, Front national – die Stimmen der EU-Skeptiker werden seit Ausbruch der Eurokrise 2009 allerorts in Europa lauter. Doch nicht alle europäischen Staaten leiden wirtschaftlich in gleichem Maße unter den Auswirkungen. In Medienberichten wurde vor den letzten Europawahlen von „Gewinner“- und „Verliererländern“ der Eurokrise gesprochen. In dieser Arbeit habe ich mich mit den Unterschieden in der Medienberichterstattung eines „Gewinnerlandes“ und eines „Verliererlandes“ der Krise auseinandergesetzt; und der Frage, ob die „Verliererländer“ wegen der Wirtschaftssanktionen der EU womöglich kritischer über diese berichten. Um dieser Fragestellung auf den Grund zu gehen habe ich mich der inhaltsanalytischen Frame-Analyse nach Matthes bedient und zwei Wochen rund um die Europawahlen 2014 die Medienberichterstattung der spanischen Tageszeitung El País mit den Artikeln der Süddeutschen Zeitung verglichen. Aufgrund ihrer hohen funktionalen Äquivalenz bieten sich die Zeitungen als Untersuchungsmaterial an. Spanien galt dabei als Repräsentant der „Verliererländer“, während Deutschland die „Gewinnerländer“ repräsentierte. Die Frame-Analyse nach Matthes geht von Frameelementen aus, die zusammen ein Netzwerk von Urteilen bilden. Dieses Netzwerk wird als kohärenter Sinnhorizont verstanden, der einen bestimmten Sinnzusammenhang herausgreift (Selektion) und diesen besonders hervorhebt (Salienz), während andere Zusammenhänge ignoriert werden. Die Frame-Analyse lässt verschiedene Methoden und Messungen zu. Hier wurden nach der qualitativen, strukturierenden Inhaltsanalyse induktiv und deduktiv Kategorien als Elemente von Frames aus den Artikeln erhoben.

Ziel der Arbeit war, einige wenige Frames aus dem Material zu extrahieren und so neue Impulse für weitergehende Forschung zu setzen. Neben einem Kodierbuch mit Kodieranweisungen wurde ein Kodierfragebogen erstellt. Die Fragen leiteten sich aus dem theoretischen und länderspezifischen Überblicken ab. Durch den Kodiervorgang ergaben sich jeweils ein Kategoriensystem für die Süddeutsche und eines für El país. Durch das Auszählen der vorkommenden Kategorien wurden die vorherrschenden Frames extrahiert.

Als Fazit der Analyse stellt sich heraus, dass die spanische El país die EU als notwendiges, gutes Projekt framt, das in der Krise die falsche Richtung eingeschlagen hat. Wachstumsstarke Länder und vor allem Deutschland übten einen Einfluss auf die Union aus, der die Grundsätze der EU ins Wanken bringe. Man müsse Strategien abseits der Austeritätspolitik finden und durch eine stärkere EU-Fokussierung der Parteien und Regierungen, die Identifizierung der Bürger mit der EU fördern. Dass diese Besinnung auf soziale Gerechtigkeit und Bürgerrechte eintreten werde, daran zweifelten die spanischen Journalisten eher.

Auch die Journalisten der Süddeutschen Zeitung als Vertreter der „Gewinnerperspektive“ framten die EU als unbedingt aufrechtzuerhaltendes Projekt, das durch demokratische Strukturreformen und die verstärkte Zusammenarbeit der Regierungen seine schwierige Lage meistern wird. Den Regierungen der anderen Mitgliedstaaten wurde nur in Ausnahmefällen die Verantwortung an EU-spezifischen Problemen gegeben, dafür war eher ein Appell der Journalisten an die EU-Bürger herauszulesen, der Union mehr Vertrauen entgegen zu bringen und sich für deren Belange zu interessieren. Eine Abneigung gegen das europäische Projekt im Allgemeinen konnte nicht festgestellt werden, was vermutlich auch mit der Auswahl von Qualitätszeitungen für die Untersuchung zusammenhängt.

Durch Ankerbeispiele, genaue Beschreibungen und Revision der Kategorien, sowie die Aufführung der Kodierungen im Anhang, wurde versucht, die Validität der Forschung zu erhöhen. Das Fehlen einer einheitlichen Methode zur qualitativen Frame-Analyse in der Kommunikationsforschung stellt jedoch bis heute ein Hindernis für die Gütekriterien von Frame-Untersuchungen dar.

Antonia Schaefer


Antonia studiert inzwischen International Relations (Master) und arbeitet als freie Journalistin.

Heute sagt Antonia zu ihrer Hausarbeit:

„Bei der Suche nach einer Fragestellung habe ich mich stark am aktuellen politischen Geschehen orientiert. Das war zwar spannend, verursachte aber viel Unsicherheit gerade am Anfang. Mit der qualitativen Analyse von 35 Zeitungsbeiträgen habe ich mich außerdem wohl etwas übernommen – mit einigen Nachtschichten ist die Arbeit zuletzt aber doch geglückt!“

Liebe Antonia, viel Erfolg weiterhin und bleib StuZig!

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