Formen und Funktionen unzuverlässigen Erzählens in der Sitcom How I Met Your Mother

Unzuverlässiges Erzählen – 1961 von Wayne C. Booth als Begriff in die Erzähltheorie eingeführt – ist spätestens seit den 1990er Jahren auch im Kino ein gängiges Stilmittel. In jüngster Zeit hat das Phänomen auch im ursprünglich eher konventionell erzählenden Format der Fernsehserie Einzug gehalten. Während zu unzuverlässigem Erzählen im Film bereits ausführliche Untersuchungen vorliegen, hat erzählerische Unzuverlässigkeit in Fernsehserien – und speziell in Sitcoms – bisher vergleichsweise wenig Beachtung gefunden. Die von 2005 bis 2014 für den US-amerikanischen Fernsehsender CBS produzierte Sitcom How I Met Your Mother kann als prototypisches Beispiel für unzuverlässiges Erzählen in Fernsehserien gelten. Ted Mosby, der diegetische Ich-Erzähler, der seinen beiden Kindern im Jahr 2030 rückblickend schildert, wie er ihre Mutter kennengelernt hat, erweist sich in vielerlei Hinsicht als Informationsquelle von zweifelhafter Seriosität. Sein Bericht ist nicht nur durch die Subjektivität seiner Wahrnehmung und die Lückenhaftigkeit seines Gedächtnisses gefärbt, sondern auch von bewusster Manipulation geprägt, die Ted unter anderem aus narzisstischen und pädagogischen Motiven vornimmt. Durch häufige Wechsel in der Erzählperspektive und eine verschachtelte Struktur aus Binnenerzählungen kommt mit der Multiperspektivität eine weitere Unzuverlässigkeit erzeugende Komponente hinzu.

In der vorliegenden Arbeit wird untersucht, welche spezifischen Formen und Funktionen narrativer Unzuverlässigkeit sich in How I Met Your Mother finden. Die verschiedenen Formen werden durch Beispiele veranschaulicht und narratologisch analysiert. Dazu wird zunächst – als Synthese literatur- und medienwissenschaftlicher Ansätze – ein Raster zur Analyse unzuverlässigen Erzählens in audiovisuellen Medien erstellt, das Formen erzählerischer Unzuverlässigkeit unter anderem nach dem Kanal der Unzuverlässigkeit, der Erzählebene, der Qualität bzw. Quantität, der Form und dem Zeitpunkt der Auflösung kategorisiert. Auf der Analyse der unterschiedlichen Formen aufbauend, werden mögliche Funktionen unzuverlässigen Erzählens im Genre der Sitcom untersucht. Eine zentrale Frage lautet dabei, ob spezielle Strategien ausgemacht werden können, mit Hilfe derer die Produzenten hochkomplexe Erzählformen in ein Genre integrieren, das traditionell eher von narrativer Unkompliziertheit geprägt ist, ohne das Publikum abzuschrecken. Außerdem wird untersucht, welche ästhetischen und philosophischen Implikationen die Verwendung unzuverlässigen Erzählens in How I Met Your Mother beinhaltet.

Johann Jakob Maintz


Johann hat seinen Bachelor in Deutsch und Evangelische Religion auf Lehramt für Gymnasien gemacht und studiert inzwischen Education (Master).

Heute sagt Johann zu seiner Bachelorarbeit:

„Dass man heutzutage der Erzählinstanz in Thrillern und Horrorfilmen nicht mehr über den Weg trauen kann, ist uns allen klar. Dass sich inzwischen jedoch auch in scheinbar seichten Fernsehformaten wie der Sitcom, die traditionell eher zum Lachen als zum Nachdenken anregen, hochkomplexe Erzählformen und massive narrative Unzuverlässigkeiten etabliert haben, war mir vor der Beschäftigung mit How I Met Your Mother nicht bewusst. Daher war die Arbeit für mich besonders spannend.“

Lieber Johann, viel Erfolg weiterhin und bleib StuZig!

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