Filmtipp: David Wants to Fly – ein yogisches Abenteuer

David Wants to Fly – ein yogisches Abenteuer ist ein autobiografischer Dokumentarfilm des deutschen Filmemachers David Sieveking aus dem Jahr 2010. Sieveking begegnet darin seinem Idol, dem Regisseur und Künstler David Lynch, der sich für eine Organisation namens „Transzendentale Meditation“ stark macht. Die Organisation verspricht ihren Mitgliedern unter anderem, sie für viel Geld yogisches Fliegen zu lehren. Angeblich ließen sich Quanten regulieren, indem man sich mit den Naturgesetzen in Einklang bringt. Angestrebte Ziele sind dabei neben Unbesiegbarkeit und Weltfrieden die Verringerung von Leid.

Beim Aufeinandertreffen von Sieveking und Lynch wirbt dieser für die Meditationslehre, die Sieveking in seiner Schaffenskrise als junger Filmemacher auch wieder beruflichen Erfolg verschaffen soll:

„I think, the intuition and the catching of ideas gets easier – it‘s money in the bank!“.

Das Treffen setzt im Film bei Sieveking eine spirituelle Suche in Gang und führt ihn dabei quer durch die Welt bis hoch in den Himalaya zur Quelle des Ganges.

Zunächst noch völlig naiv von der Begeisterung seines Idols an der Organisation angesteckt, entwickelt sich ein zunehmend investigativer Film, der zahlreiche Absurditäten der von Maharishi Mahesh Yogi, auch Lehrmeister der Beatles, angeführten Bewegungen offenlegt. Versickerte Spendengelder, Machtstreitigkeiten um die Führung und das falsche Versprechen des Erlernens von „yogischem Fliegen“ sind nur einige Kritikpunkte.

Sieveking, der sich durch das Filmprojekt praktische Lebenshilfe in einer Schaffenskrise erhoffte und selbst Atheist ist, stößt dann durch sein zunehmend offensives Vorgehen und seine kritische Haltung gegenüber der Organisation verstärkt auf Widerstand. Dies mündet unter anderem während des Drehs in Androhungen von Klagen durch den Anwalt David Lynchs oder auch in die ,Bereitstellung´ eines Cutters, um Kontrolle über das Filmprojekt zu haben.

Sieveking gelingt ein spannender Film über die Bizarrerie einer populären spirituellen Bewegung der 60er Jahre. Der zu Beginn leicht unbeholfen wirkende Filmstudent nimmt den Zuschauer mit auf eine spannende Reise mit zunehmendem Tempo in die Abgründe der Organisation. Sieveking fängt dabei auch immer wieder Momente mit seiner Freundin ein und zeigt die Entwicklung der Beziehung mit ihren Höhen und Tiefen in Form von Liebes- und Trennungsintermezzi. Dadurch erhält der Film zusätzlich einen weiteren unterhaltsamen Erzählstrang.

Der vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm überzeugt letztlich vor allem durch die authentische Haltung, den hohen Unterhaltungswert und die Spannungsmomente. Auf der DVD zum Film finden sich außerdem noch interessante Experten-Interviews mit Psychiatern und Journalisten sowie mit Aussteigern.

Catharina Gerber

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